Das 1000Fragen-Projekt wurde im Oktober 2002 mit dem Ziel gestartet, einen breiten Meinungsbildungsprozess zu bioethischen Themen anzustoßen. Mit Plakaten, Anzeigen und Kinospots forderte die Aktion Mensch die Bevölkerung in Deutschland dazu auf, die Debatte über Bioethik nicht nur Politikern und Wissenschaftlern zu überlassen, sondern ihre eigenen, ganz persönlichen Fragen zu stellen.
Denn die Entwicklungen in den Biowissenschaften und der Medizin drängen die Politik zu weitreichenden Entscheidungen. Forschung an Embryonen, vorgeburtliche Diagnostik, Chancen und Risiken der modernen Medizin, gar Sterbehilfe: Bioethik erstreckt sich von der Verfügbarkeit menschlichen Lebens noch vor der Geburt bis zum Umgang mit alten und sterbenden Menschen. Sie stellt sowohl die Frage nach unserer Identität als auch nach unserem Selbstverständnis als Gesellschaft. Besonders betroffen von dieser Debatte sehen sich Menschen mit Behinderungen, denn auch alte Träume von der Perfektionierung des Menschen werden wieder wach. Wie wir mit den Entwicklungen in den Biowissenschaften und der Medizin umgehen möchten, kann nur auf der Grundlage eines breit angelegten öffentlichen Meinungsbildungsprozesses entschieden werden. Schließlich berühren diese Entscheidungen zentrale Fragen unseres Menschenbildes und die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Hintergründe und Zwischenergebnisse
Zentrale Kommunikationsplattform des 1000Fragen-Projektes sind die Internetseiten unter www.1000fragen.de. Inzwischen haben mehr als 500.000 Menschen diese Seiten besucht und mehr als 11.000 Fragen und knapp 60.000 Kommentare hinterlassen. Sämtliche Fragen des 1000Fragen-Projektes sowie ausgewählte Kommentare sind im September 2003 als Buch erschienen ("Was wollen wir, wenn alles möglich ist? Fragen zur Bioethik", Deutsche Verlagsanstalt DVA, 19,90 €).
Das Buch wurde am 24. September 2003 in der "Nacht der 1000 Fragen" im Deutschen Historischen Museum in Berlin an führende Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft übergeben: Wolfgang Thierse (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. DRS. H.C. Spiros Simitis (Vorsitzender des Nationalen Ethikrates), René Röspel (Vorsitzender der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Ethik und Recht der modernen Medizin"), Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft) sowie Dr. Ricardo Gent (Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie).
Außerdem wurde das Buch sämtlichen Mitgliedern des Deutschen Bundestages, den Redaktionen aller überregionaler Medien sowie wichtigen Wissenschaftseinrichtungen zugesandt.
Ein breit angelegter Meinungsbildungsprozess
Mehr als 11.000 Fragen zum Thema Bioethik wurden seit Beginn des 1000Fragen-Projektes im Oktober 2002 im Internet gesammelt. Wie sollen sie beantwortet werden? Darüber wurde von April 2004 bis Ende 2009 diskutiert.
Mehr als sechzig Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Kultur und Medien haben die Patenschaft für eine Frage ihrer Wahl übernommen und begründet, warum sie diese Frage für wichtig und diskussionswürdig halten.
Keine Abstimmung, sondern ein Austausch
Die Bevölkerung wurde aufgerufen mitzudiskutieren: Unter www.1000fragen.de konnte sich jeder an dieser neuen Form "öffentlicher Kommissionsarbeit" beteiligen. Ziel der Diskussion war keine Abstimmung, sondern ein intensiver Austausch ohne Entscheidungsdruck: Welche Fragen brauchen eine eindeutige Antwort? Auf welche Fragen gibt es mehrere Antworten? Welche Fragen beantwortet man lieber gar nicht? Gibt es gemeinsame Antworten, Kompromisse? Und: Gibt es Fragen, bei denen sich schon die Diskussion verbietet?
Plakate, Anzeigen und Spots informieren die Öffentlichkeit
Um über die Fortsetzung des Projektes zu informieren, startete die Aktion Mensch eine breit angelegte Informationskampagne. Auf Großflächenplakaten wurden insgesamt zehn Fragen, die im 1000Fragen-Projekt gestellt wurden, in die Öffentlichkeit zurückgespielt. Print-Anzeigen erschienen in zahlreichen überregionalen Zeitungen und Zeitschriften.
Sie zeigen prominente Paten, wie Wolfgang Thierse, Heiner Geissler oder die Bischöfin Margot Käßmann, die zur Diskussion einladen. Ausserdem liefen zwei Kinospots, in denen die Schauspieler Dietrich Mattausch und Dominique Horwitz in der Rolle von Lehrern bzw. Professoren ihrem "Publikum" einige interessante Fragen stellen.
Studie
Auch in der Wissenschaft fand das 1000Fragen-Projekt Interesse. An der Universität Köln untersuchte ein Forschungsprojekt die zusammengetragenen Fragen aus partizipationstheoretischer und wissenssoziologischer Sicht. "Was passiert, wenn die Bevölkerung die Möglichkeit erhält, sich ungeschminkt und ungefiltert zu bioethischen Problemstellungen zu äußern?" lautete die Forschungsleitfrage. 2009 wurde die Studie mit dem Titel "Das Wissen der Leute Bioethik, Alltag und Macht im Internet" veröffentlicht.




