02.06.06: Bundesweiter "Tag der Organspende" am Samstag
Bonn (KNA) Zum "Tag der Organspende" am Samstag haben die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die Bundesärztekammer und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Bevölkerung zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Organspende aufgerufen. Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, wer einen Organspenderausweis bei sich trage, "sagt aus innerer Überzeugung Ja zur Hilfe für schwer Kranke, die ohne eine Organspende keine Überlebenschance haben." Der medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste, äußerte sich in mehreren Interviews erfreut über eine wachsende Spendenbereitschaft und eine zunehmende Unterstützung aus der Politik.
Dagegen kritisierte die "InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland" eine einseitige Informationspolitik der DSO und der Bundeszentrale. Insbesondere die Vorgänge bei einer Organentnahme und die Frage des Hirntods und seiner Feststellung würden falsch dargestellt. Der Hirntod bedeute nicht den Tod des Menschen, sondern sei ein unumkehrbarer Prozess im Sterben, der durch die Transplantation unterbrochen werde, erklärte der Sprecher Christian Frodl in München.
Ökumenischer Gottesdienst in Essen
Der bundesweite "Tag der Organspende" steht unter dem Leitwort "Von Mensch zu Mensch - Hoffnung durch Organspende". Dazu feiern Patientenverbände und die DSO einen ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom, mit dem sie den Spendern und ihren Angehörigen Dank sagen wollen. An dem Gottesdienst wollen der Essener Weihbischof Franz Vorrath, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, und der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) teilnehmen. Darüber hinaus finden in ganz Deutschland Aktionen statt. Auch das Infotelefon Organspende ist am Pfingstsamstag von 10 bis 15 Uhr erreichbar. Hier können unter der gebührenfreien Telefonnummer (08 00) 90 40 400 Organspendeausweise und Informationsmaterialien bestellt werden. Experten beantworten Fragen rund um das Thema Organspende.
Die Befürworter der Organspende in Deutschland sahen sich zuletzt im Aufwind. 2005 wurden in der Bundesrepublik so viele Organe wie noch nie gespendet; gegenüber dem Vorjahr gab es einen Anstieg bei der Spenderzahl um rund 13 Prozent. Laut DSO-Statistik spendeten 2005 bundesweit 1.220 Menschen nach dem Tod ihre Organe. Bezogen auf die Einwohnerzahl in Deutschland sind das 15 Organspender pro eine Million Einwohner (2004: 13 Organspender). Es wurden 3.778 Organe von Verstorbenen für Transplantationen zur Verfügung gestellt (2004: 3.508). Entsprechend erhöhte sich auch die Anzahl der durchgeführten Transplantationen auf 3.909 (2004: 3.632). Dennoch stehen nach wie vor 12.000 Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation.
Im Interview mit der Ärzte-Zeitung begründete Kirste den Aufwärtstrend unter anderem mit einer wachsenden Zustimmung der Politik. In manchen Bundesländern wie Bayern seien zudem Ausführungsbestimmungen zum Transplantationsgesetz erlassen worden, die sich als hilfreich erwiesen. Kirste appellierte zugleich an die Krankenhäuser, noch besser mit der DSO zusammenzuarbeiten und potenzielle Spender zu melden. Er sprach sich dafür aus, kooperationsbereite Krankenhäuser öffentlich auszuzeichnen. Zurückhaltend äußerte er sich zum Aufbau eines Organspenderegisters, bei dem alle Bürger ihre Position zu einer Organspende hinterlegen können. Die Niederlande hätten Millionen Gulden dafür ausgegeben, aber nur 28 Prozent der Bevölkerung hätten das Angebot angenommen.
Auf der Internetseite der DSO betonte Kirste, es gebe in Deutschland ein weit höheres Potenzial an Organspendern. Untersuchungen der DSO hätten gezeigt, dass die Zahl möglicher Organspender bei 40 bis 50 pro einer Million Einwohner liege. Um diese Werte zu erreichen, müsste die Organspende allerdings viel selbstverständlicher werden.
Die DSO unterstützt seit 1984 die Entwicklung der Transplantationsmedizin in Deutschland. Das 1997 in Kraft getretene Transplantationsgesetz sieht die Einrichtung einer Institution vor, die die Vorbereitung und Durchführung der Organspende bundesweit organisiert. Seit dem Jahr 2000 hat die in Neu-Isenburg ansässige Organisation die Verantwortung für den gesamten Organspendeprozess einschließlich des Transports übernommen. Sie ist auch für die Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern und den rund 50 Transplantationszentren zuständig. Ausgenommen ist die Organvermittlung, die der Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden übertragen wurde.




