22.12.09: Organspende in Deutschland vor tiefgreifenden Änderungen
Köln (KNA) Auf das System der Organspende in Deutschland kommen tiefgreifende Veränderungen zu. Eine für das erste Halbjahr geplante EU-Richtlinie zur Sicherheit der Transplantationsmedizin werde das «gut etablierte» deutsche System unter massiven Druck setzen, sagte der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK), Hans Lilie, der neuesten Ausgabe des «Deutschen Ärzteblattes» in Köln.
Die EU setzt nach Darstellung des Mediziners darauf, dass staatliche Stellen für die Organisation von Organspende und -transplantation verantwortlich sind. Damit dürfte das bisher in Deutschland gut funktionierende System der ärztlichen Selbstverwaltung in diesem Bereich nicht zu halten sein.
In der Debatte um mehr Organspenden in Deutschland wandte sich Lilie gegen Sanktionen für Kliniken, die nicht ausreichend mitarbeiten. Er forderte demgegenüber eine stärkere Entschädigung für die Krankenhäuser, die sich dem aufwendigen Verfahren der Transplantation stellen.
Im Bereich der Lebendspende sprach sich Lilie für eine bessere Absicherung des Spenders aus. Zwar habe sich gezeigt, dass Schädigungen von Spendern die Ausnahme blieben. Doch im Fall von Folgeerkrankungen habe er bislang die Beweislast. «Und dieser Beweis ist faktisch nicht zu führen.»
Darüber hinaus forderte der Mediziner eine bessere Kontrolle der Transplantationsmedizin. Es gebe zwar zwei Kommissionen, die die Deutsche Stiftung Organtransplantation und den europäischen Verbund Eurotransplant überwachten. Notwendig seien aber konkrete Eingriffsrechte der Kontrolleure; so müssten Ärzte verpflichtet werden, im Zweifelsfall vor einer Kontrollkommission zu erscheinen.
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