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Eine schwierige Entscheidung

Ein Rollenspiel um Gentests

Ziel des Rollenspiels

Das Ergebnis eines Gentests kann das Leben radikal verändern. Aus einem gesunden Menschen wird durch ein positives Ergebnis ein "gesunder Kranker", denn der Test sagt nur etwas aus über die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Erkrankung.

Das Rollenspiel soll zeigen, dass die Entscheidung für oder gegen einen Gentest von vielen Faktoren abhängt. Es kommt darauf an, diese zu erkennen und zu bewerten. Schließlich kann es auch eine begründete Entscheidung für das Nicht-wissen-Wollen geben.

Das Szenario

In der Familie von Melanie, Louisa und Alexander gab es bereits mehrere Fälle der genetisch bedingten Krankheit Chorea Huntington, einer fortschreitenden Zerstörung des Nervensystems. Die Geschwister stehen vor der Entscheidung, ob sie sich einem Gentest unterziehen wollen. Die Entscheidung ist sehr schwierig und belastet sie sehr, denn wenn das Huntington-Gen nachgewiesen wird, bricht die Krankheit irgendwann zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr aus. Andererseits kann die Krankheit in so hohem Alter auftreten, dass manche Genträger gesund sterben.

Melanie, Louisa und Alexander suchen sich Hilfe in einer Beratungsstelle. Der Berater/die Beraterin versucht herauszufinden, was die genauen Beweggründe für oder gegen einen Test sind, was das Testergebnis für ihr weiteres Leben bedeutet und wie sie bei einem positiven Ergebnis mit dem Wissen, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden, umgehen werden. Der Berater/die Beraterin überlegt sich, wie er/sie das Gespräch beginnen und welche Fragen er/sie stellen möchte. Für ihn/sie ist es das Ziel, den drei Geschwistern Klarheit über ihre Beweggründe für oder gegen einen Test zu vermitteln. Es ist NICHT sein/ihr Ziel, für sie eine Entscheidung zu treffen.

Die Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf ihre jeweiligen Rollen füllen die Teilnehmer jeweils eine Rollenkarte aus. Die Fragen auf der Folie helfen bei der Vorbereitung, sie dienen als Anregung und müssen nicht vollständig "abgearbeitet" werden. Jeder Teilnehmer sollte sich in seine Rolle einfühlen und versuchen, die Fragen so konkret wie möglich zu beantworten. Selbstverständlich spielt jeder Teilnehmer eine fiktive Rolle. Um sich nach Abschluss des Rollenspiels von den übernommenen Rollen wieder zu distanzieren, wird unter den Teilnehmern eine Blitzlicht-Umfage durchgeführt: Wie habe ich mich im Spiel gefühlt? Was hat mir Probleme bereitet? Welche Erkenntnisse habe ich für mein reales Leben gewonnen?

TIPP

In vielen Fällen hat es sich bewährt, mit zwei Beraterrollen zu spielen, die sich in der Gesprächsführung abwechseln.

Auszug aus der Inszenierung "Wohin Gen?"

Nacht auf der Intensivstation. Eine Patientin liegt in einem weißen Kittel bewegungslos in ihrem Bett. Sie ist an zahlreiche Maschinen und Schläuche angeschlossen. Zwei Angehörige, eine Frau und ein Mann, sitzen auf Stühlen rechts und links des Bettes.

Frau

1774 Ist es verwerflich, sich (...) über den Tod zu freuen, (...) ihn manchmal sogar (herbei) zu wünschen? 116 Hat nicht jeder Mensch ein Anrecht auf einen friedlichen Tod ohne Leid und Schmerz?

Mann

8076 Besteht unsere einzige Aufgabe nicht darin, die Allerschwächsten, die Sterbenden, auf ihrem Weg (solidarisch) zu begleiten, ohne, dass wir uns gleich wieder anmaßen darüber zu urteilen, was am Besten für sie ist?

Frau

965 (Aber) ist es menschlich, einen Menschen zum Leben zu zwingen?
4625 Warum kann man nicht entscheiden, dass bei Langzeitkoma Sterbehilfe geleistet wird?

Mann

7630 Woher wollen wir wissen, was in Jemandem vorgeht, der im Koma liegt?
608 (...) Ich hoffe und bete jeden Tag, dass sie wieder aufwacht. Ich könnte auf keinen Fall zulassen, dass sie Sterbehilfe bekommt. Es hat schon zu viele Fälle gegeben, in denen Totgeglaubte wieder erwacht sind, obwohl Ärzte das für unmöglich erklärt haben! Also, warum Sterbehilfe? Nur um Geld zu sparen?

Frau

2599 Ist es nicht unmenschlich, einen Menschen am Leben zu erhalten, mit der Gewissheit, dass sich seine Lage nie mehr verbessern wird?

Mann

2218 Wer darf (das) entscheiden? Ab wann ist ein Leben nicht mehr lebenswert? Ab wann gibt es keine Heilung mehr? (...) Kein Mensch kann das entscheiden. Nur Gott kennt den richtigen Zeitpunkt für den Tod eines jeden von uns.

Frau (spöttisch)

2420 Du sollst nicht töten?

"Stirbt jeder seinen eigenen Tod?"

Mann:

2195 (Ja), so lautet das 5. Gebot und Sterbehilfe ist Töten! (...) Wenn ein Angehöriger Sterbehilfe fordert, so urteilt er über das Leben eines anderen. Könnte er nicht auch falsch liegen?

Frau:

4914 Sollte man in solch(en) (...) Fragen (eher) seinem Herzen oder dem Verstand folgen?

Mann:

2682 Ist es nicht besser, der Natur die Entscheidung zu überlassen, wann und wie ein Mensch stirbt?
2682 Teil1 Sterbehilfe führt dazu, dass Menschen über andere Menschen Macht gewinnen (...).

Frau:

2036 Teil2 Aber gibt es denn keinen anderen Weg, Leidenden zu helfen und sie von ihren Qualen zu befreien?

Mann:

395 Man hat nicht die Macht, einen Toten lebendig zu machen. Wieso sollte man also die Macht haben, einen Lebenden zu töten?

Frau:

3171 Ist Sterbehilfe nicht der letzte Liebesdienst für einen geliebten, todkranken und qualvoll leidenden Menschen?

Mann:

579 Wenn ich jemandem, den ich liebe, beim Sterben geholfen habe, wer hilft mir dann beim Leben? Die Angehörigen verschwinden. Eine Weile ist Stille. Plötzlich setzt sich die Kranke langsam im Bett auf, setzt sich auf den Bettrand und beginnt zu sprechen.

Patientin: (spricht ins Ungewisse)

2032 Was ist schmerzlicher: einen geliebten Menschen zu verlieren oder zu wissen, dass man die geliebten Menschen bald selbst verlassen wird?
1192 Warum ist es für Menschen so schwer, den Tod zu akzeptieren?
1895 Warum haben wir Angst vor dem Tod und dem Sterben? Tod und Sterben gehören nicht mehr zu unserem Leben dazu; "gestorben" wird sehr oft allein. Niemand möchte sich mehr damit befassen, wir sind ja alle jung und unsterblich... Der Tod ist aber unausweichlich...
4465 Wenn eine Reise ohne Ziel keinen Sinn macht, macht es dann ein Leben ohne Tod?
1032 Gibt es ein Leben ohne Leid?
4276 Einen Raum ohne Zeit? Ist das nicht wie ein Tag ohne Nacht? Hat nicht alles einen Anfang und ein Ende? Sie steht auf, tritt zwei Schritte nach vorn und spricht das Publikum unmittelbar an.

4044 Wenn ihr wüsstet, dass ihr morgen sterben müsst, was würdet ihr erreicht haben wollen und was noch tun?
1859 Warum denkt man so selten daran, dass man vielleicht nur einmal lebt, und genießt nicht jeden Tag, denn jeder ist einzigartig?
1813 (Fröstelnd) Spüre ich etwas, wenn ich sterbe?
3640 Wie stellt ihr euch den Tod vor?
2210 Ist der Tod eine Art schlafendes Leben?
4250 Ist er nicht einfach voll Ruhe und Frieden, was man im Leben nie findet?
4379 Lebt man, um zu sterben, oder stirbt man, um zu leben?
1293 Gibt es eine unsterbliche Seele?
6972 (...) ein Leben nach dem Tod?
2752 Warum fällt es den Menschen nur so schwer, mit ungelösten Geheimnissen und unbeantworteten Fragen zu leben?(Geht zurück zum Bett.)

4344 Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch eine Minute zu leben haben? An was würden Sie zuletzt denken? An die Ewigkeit?
2541 Wie lange werde ich (noch) leben? Die Patientin legt sich wieder ins Bett und bleibt reglos liegen. Die beiden Schauspieler, die zuvor die Angehörigen gespielt haben, kommen vor, nehmen sich je einen darüber liegenden Arztkittel und ziehen ihn an. Die Ärzte beginnen routiniert mit Untersuchungen am Körper der reglosen Kranken.

Arzt:

4415 Unsere Krankenversicherungen sind pleite, wieso wird dann ein Mensch so lange künstlich am Leben gehalten?

Ärztin:

666 Möchten Sie, wenn Sie todkrank sind und im Sterben liegen, dass der Arzt von sich aus, ohne, dass er fragt und Sie etwas sagen, Ihnen zu einem schnelleren Sterben verhilft?

Arzt:

1079 Warum ist Sterbehilfe bis heute in Deutschland nicht legalisiert? Wenn ein Mensch durch einen Schlaganfall gelähmt ist, nicht mehr sprechen kann, sich nicht mehr mitteilen kann, den man füttern muss, dem jedes Mal der Arsch von einem Pfleger abgewischt werden muss. Wenn mich so ein Schicksal treffen würde, dann empfände ich dies als Verletzung meiner Würde und würde alles tun, um das zu verhindern! Das schließt auch Sterbehilfe mit ein!

Ärztin:

444 Wer will entscheiden, wann Leben nicht lebenswert ist? Die Ärzte? Die Eltern? Der Staat?
774 Müssen wir in Deutschland in der Frage der aktiven Sterbehilfe nicht behutsam und zurückhaltend sein, besonders wenn es um staatliche Maßnahmen und allgemeine Gesetze geht?
4728 Warum ist so vielen ein Menschenleben (egal welches) so wenig wert?
3583 Hospize sind wunderbare Einrichtungen. Warum denken Sie über das Töten von Menschen nach, wenn man doch das Sterben selber menschenwürdiger machen kann?

Arzt:

1749 Worin liegt der Sinn, das Leben eines (...) Menschen künstlich am Leben zu erhalten, wenn er erstens — ohnehin keine gesunde Zukunft erwarten kann, zweitens — sein derzeitiges Leben ihm nur Schmerzen bereitet und drittens — dieser Mensch ohne Zukunft anderen Menschen, die noch auf Heilung hoffen können, einen Platz im Krankenhaus wegnimmt?

Ärztin:

1904 Wie soll verhindert werden, dass — sollte einmal Sterbehilfe geleistet werden können — die geplante Sterbehilfe von dem Bedarf eines Krankenhauses beeinflusst wird, aus Platz- und Kostengründen ein Bett "frei zu machen".
3069 Bringt die Legalisierung der Sterbehilfe uns nicht in Versuchung, Todkranke, Alte und Behinderte einfach loswerden zu wollen?
4964 Soll ich als Ärztin gezwungen sein, entgegen meinen eigenen Überzeugungen Sterbehilfe leisten zu müssen? Dagegen wehre ich mich!

Arzt:

1116 Ist ein gesetzlich festgelegtes Sterbealter vielleicht nicht gerechtfertigt, wenn es von der Mehrheit der Gesellschaft akzeptiert wird, zum Wohle aller — und um Geld zu sparen?

Ärztin:

4735 Ich bin da, um zu heilen, zu lindern oder zu trösten aber nicht um zu töten. Wie soll man als Arzt damit umgehen?

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