Organtransplantation
Zusammenfassung
Organtransplantation bietet die Chance, Leben zu retten bzw. zu verlängern — insofern muss dieses Thema sensibel und differenziert behandelt werden, denn es ist auch mit Problemen verbunden. So ist die Hirntoddefinition trotz entsprechender gesetzlicher Regelungen nach wie vor umstritten. Manche empfinden es auch als belastend, mit einem fremden Organ zu leben. Hinzu kommt das Risiko des Missbrauchs, etwa durch Organhandel. Und: Ein Mensch, der mit einem Spenderorgan lebt, ist damit nicht gesund, sondern lebenslang auf Medikamente oder Therapien angewiesen.
Organspender — ja oder nein?
Die Organspende ist in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:
Die Widerspruchslösung
Jeder, der keine schriftliche Ablehnung einer Organspende bei sich trägt, gilt automatisch als potenzieller Organspender sobald der Hirntod festgestellt wird. Dabei können ein oder auch mehrere Organe (Hornhäute, Innenohrknöchel, Kieferknochen, Herz, Lungen, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Magen, Knochen, Bänder und Knorpel, Haut, Adern und Knochenmark) entnommen werden. Die Angehörigen müssen nicht informiert oder gefragt werden. Daneben gibt es die Variante "erweiterte Widerspruchslösung". Zusätzlich werden hier Angehörige als "Boten eines vom Verstorbenen zu Lebzeiten erklärten Willens" akzeptiert. Die Widerspruchsregelung gilt u. a. in Belgien, Österreich, Finnland, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Russland.
TIPP
Debatte
Die Debatte wird in zwei Gruppen vorbereitet. Die eine Gruppe sammelt Argumente für die Zustimmungslösung, die andere Gruppe für die Widerspruchslösung. Anschließend werden die Argumente vorgetragen und im Plenum diskutiert.
Die Zustimmungslösung
Körperteile dürfen nur dann entnommen werden, wenn der Betreffende zu Lebzeiten ausdrücklich eingewilligt hat. Angehörige haben kein Mitspracherecht (enge Zustimmungslösung). In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungslösung: Wenn ein Organspendeausweis vorliegt, dürfen Körperteile — u. U. auch mehrere Organe — entnommen werden. Aber auch Angehörige können einer Entnahme von Körperteilen zustimmen, wenn kein Spendeausweis vorliegt. Da nicht einmal jeder zehnte Deutsche einen Organspendeausweis hat, entscheiden meist die Angehörigen über die Organspende. Dies ist oft sehr schwierig für sie; deswegen ist es eine große Hilfe, wenn ein Organspendeausweis vorliegt. Manche fühlen sich unter großem psychischen Druck, einer Organentnahme zuzustimmen, um Leben zu retten bzw. "dem Tod noch einen Sinn zu geben". Manche Betroffene berichten, dass sie die Entscheidung im Nachhinein bereut hätten. Rund die Häfte der Angehörigen stimmt einer Organentnahme zu.
Die Zustimmungslösung gilt u. a. auch in den USA, Großbritannien, Irland, Dänemark, den Niederlanden, Jugoslawien und der Türkei.
TIPP
Umfragen auf der Straße
- "Besitzen Sie einen Spenderausweis?"
- "Können Sie sich vorstellen, mit dem Herzen eines verstorbenen Menschen zu leben?"
Kriterien bei der Organvergabe — Eurotransplant entscheidet
Wie lange jemand auf ein Organ wartet, hängt auch davon ab, wie dringend die Operation ist. Dabei spielen u. a. die Wartezeit, die körperliche Verfassung, aber auch der seelische Zustand und die Überlebenschancen eine Rolle. Wer alkohol-, nikotin- oder drogenabhängig ist, hat kaum eine Chance auf einen Platz auf der Warteliste. Dasselbe gilt für HIV-Infizierte oder aidskranke Menschen — eine Tatsache, die von den Betroffenen als ungerecht und diskriminierend kritisiert wird.
Skandale wie der um den Fürsten von Thurn und Taxis, dem gleich zweimal hintereinander ein Herz transplantiert wurde, haben darüber hinaus Zweifel daran aufkommen lassen, dass die Organe immer gerecht verteilt werden. Damit jeder Patient — egal wie mächtig, reich oder arm — die gleichen Chancen auf ein Spenderorgan hat, wurde das Verteilungssystem noch einmal überarbeitet. Nun soll keine Klinik mehr Organe an eventuell bevorzugte Patienten vergeben können; sämtliche Transplantate sollen ausschließlich von Eurotransplant per Computer nach einem festen Punktesystem vergeben werden. Dass damit eine absolute Verteilungsgerechtigkeit erreicht wird, muss allerdings bezweifelt werden.
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation ist in Deutschland für die Abwicklung von Organentnahmen zuständig. Hier gibt es auch Formulare für einen Organspendeausweis. Die Vordrucke für Ausweise sind ebenfalls in Apotheken, Arztpraxen, Krankenhäusern und Ämtern erhältlich.
www.dso.de
Diese Seite will über Organtransplantationen kritisch aufklären. Viele Angehörige von Spendern weisen auf Schuldgefühle und Leid hin, das sie nach der Zustimmung zur Organentnahme empfanden.
www.initiative-KAO.de
Eurotransplant organisiert die Organverteilung für sieben europäische Länder, darunter Deutschland. Alle, die auf ein Organ warten und alle Organspender sind hier registriert.
www.eurotransplant.nl
Der Verein will über Organspende und -transplantation informieren und insbesondere junge Menschen davon überzeugen, sich für einen Spenderausweis zu entscheiden.
www.junge-helden.org






