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Werden Menschen mit Behinderungen durch die PID diskriminiert?


ein Kind mit Down-Syndrom

Traditionellerweise umfasst der ärztliche Handlungsauftrag die Prävention und Heilung von Krankheiten sowie die Linderung von Leiden. Dazu gehört auch die Abwendung von gesundheitlichen Schäden für die werdende Mutter und ihr zukünftiges Kind im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge. Fraglich aber ist, ob die PID in diesem Sinne eine moralisch gerechtfertigte ärztliche Aufgabe sein kann.

Von vielen Vertretern von Behindertenverbänden und -gruppen wird der PID ein diskriminierender Charakter zugesprochen. Es wäre allerdings nicht richtig zu behaupten, dass die individuelle Entscheidung eines Paars zur Inanspruchnahme der PID eine Diskriminierung der Gruppe von Menschen mit Behinderungen ist. Was aber berechtigterweise als Diskriminierung verstanden werden kann, ist die gesellschaftliche Etablierung eines Verfahrens wie der PID, dessen explizites Ziel es ist, die Existenz von kranken und behinderten Kindern zu vermeiden. Dass dies Ausdruck eines gesellschaftlichen Werturteils über Menschen mit Behinderungen wäre, lässt sich nicht ohne weiteres von der Hand weisen.

Sigrid Graumann


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