Kapitel:
- Präimplantationsdiagnostik statt Pränataldiagnostik?
- Wann beginnt das menschliche Leben?
- Die rechtliche Lage
- Neue Entscheidungszwänge für werdende Eltern?
- Werden Menschen mit Behinderungen durch die PID diskriminiert?
- Weiterführende Links
Neue Entscheidungszwänge für werdende Eltern?
Die individuelle Entscheidung eines Paares gegen ein krankes oder behindertes Kind ist eng mit einem gesellschaftlichen Verantwortungsverständnis, was die Familienplanung betrifft, verknüpft. Medizinsoziologische Studien haben gezeigt, dass individuelle Entscheidungen zur Inanspruchnahme der PND internalisierte gesellschaftliche "Lebenswertzuschreibungen" ausdrücken oder sogar unter direktem Druck des sozialen Umfelds zustande kommen können. Gleichzeitig wirken die individuellen Entscheidungen auf die Entwicklung sozialer Werte und Normen zurück. Dieses Phänomen wird häufig als "Eugenik durch die Hintertür" beschrieben.
Für die PID werden sich vermutlich zunächst vor allem die "Risikopaare" und alle Paare, die sich wegen einem unerfüllten Kinderwunsch einer IVF-Behandlung unterziehen, mit neuen Entscheidungszwängen konfrontiert sehen. Aber auch darüber hinaus könnte die PID im Vergleich mit der PND eine neue Qualität erhalten.
Während es bei der PND um das Schicksal eines bestimmten Föten geht, kann die PID im Zuge des zunehmenden humangenetischen Wissens zukünftig die Möglichkeit eröffnen, unter mehreren Embryonen diejenigen auszuwählen, für die auf Grund ihres genetischen "Designs" der Wunsch besteht, eine Schwangerschaft einzugehen. Wie der französische Pionier der Fortpflanzungsmedizin Jacques Testard zu bedenken gibt, wird damit erstmals eine effektive positive Eugenik technisch möglich.




