Kapitel:
- Stammzellen als Alleskönner
- Embryonen als Zelllieferanten: Der erste Schritt zum Klonbaby?
- Therapie oder medizinische Sackgasse?
- Recht und Gesetz: Vom Persilschein bis zum strikten Verbot
- Weiterführende Links
Embryonen als Zelllieferanten: Der erste Schritt zum Klonbaby?
Damit sich Körperzellen als medizinische Waffe in nahezu jedem Einsatzgebiet verwenden lassen, müssen sie ihre ursprüngliche Vielseitigkeit wieder gewinnen. Dazu wird der Körperzelle eines Erwachsenen der Kern entnommen und – wie beim Klonschaf Dolly - in eine fremde befruchtete Eizelle eingeschleust. Der Kern dieser Eizelle war zuvor entfernt worden. Diese Eizelle teilt sich und vermehrt sich; es entsteht ein Embryo, aus dem Zellen entnommen werden können. Dabei wird der Embryo getötet. Die Entwicklung der gewonnenen Zellen kann durch die Zugabe der richtigen Wachstumsfaktoren und Hemmstoffe fast beliebig gesteuert werden. Eine geklonte Zelllinie ist da.
Beim Thema "Klonen" scheiden sich die Geister
Ende 2001 hat die amerikanische Firma Advanced Cell Technology (ATC) die Öffentlichkeit mit der Nachricht verstört, ihnen sei es erstmals gelungen, menschliche Embryonen zu klonen. Allerdings gelten die so medienwirksam publizierten Ergebnisse inzwischen als wissenschaftlich wenig überzeugend, weil die meisten Eizellen entweder direkt abgestorben waren bzw. höchstens das Sechs-Zell-Stadium erreichten. Dennoch hat die Nachricht die Debatte über den Sinn des therapeutischen Klonens neu entfacht.
Seitdem Wissenschaftler weltweit in den Forschungs-Wettkampf um das therapeutische Klonen eingetreten sind, ist ein heftiger Ethikstreit um die neue Medizintechnik entbrannt. Schon der Begriff "therapeutisches Klonen" ist nach Ansicht vieler Kritiker irreführend. Schließlich gehe es nicht um Therapie, sondern um Forschung, die noch dazu das Töten von Embryonen in Kauf nehme. Aber es gibt noch andere gewichtige Argumente: Gegner der Technik bezeichnen das Herstellen der identischen Zelllinien schon lange als ersten Schritt zum Klonbaby. Denn auch wenn die technischen Schwierigkeiten noch enorm groß sind - theoretisch kann aus dem Klonprodukt ein ganzer Mensch entstehen. Im Tierversuch ist dies wenn auch nur bei einem von 200 Embryonen bereits gelungen.
Kritische Stimmen aus der Politik
Kritik kommt auch von Seiten der Politik. "Wir zucken davor zurück, Menschen zu Ersatzteillagern heranzuzüchten", erklärt etwa US-Präsident George Bush. Und auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn verurteilt die Arbeit von ACT entschieden. Doch die Fronten sind nicht einheitlich, sie gehen quer durch die Verbände und Parteien. So sagt die Vorsitzende der Bioethikkommission des Bundestages, Margot von Renesse (SPD), ja zur Stammzellforschung, weil die Zellen alles Mögliche könnten, "aber mit Sicherheit kein Mensch werden." Der stellvertretende Vorsitzende der Kommission, Hubert Hüppe (CDU), findet das therapeutische Klonen "viel schlimmer" als das reproduktive Klonen weil dabei Menschen nur mit dem einem Ziel geschaffen würden, getötet zu werden und spricht sogar von einer neuen Form des Kannibalismus.
Kommissionsmitglied Wolfgang Wodarg (SPD) warnt davor "Ersatzteillieferanten zu züchten". Und die Deutsche Forschungsgemeinschaft(DFG) empfiehlt seit April 2002 die Forschung an importierten Stammzelllinien, plädiert aber dennoch unverändert dafür, die Arbeit in erster Linie auf die Nutzung adulter Zellen zu konzentrieren.




