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Therapie oder medizinische Sackgasse?


Mikroskopische Aufnahme einer Zelle
Ersatzteillager Mensch?

Die Molekularbiologin Regine Kollek, Professorin für Technikfolgenabschätzung in der Medizin an der Universität Hamburg, weist noch auf eine andere Gefahr hin, nämlich die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers. Sobald man aus geklonten Embryos transplantierbares Gewebe gewinnen können, werde durch die Klon-Technologie zunehmender Druck auf Frauen entstehen, ihre Eizellen zur Verfügung zu stellen. In England, so Kollek, bekommen Frauen bereits einen Preisnachlass auf die Hormonstimulation und die Behandlung zur künstliche Befruchtung, wenn sie Embryonen für die Forschung spenden. Frauen aus Entwicklungsländern könnten sich genötigt sehen, Eier zu spenden, um ihre Existenz zu sichern.

Aber es tun sich noch viele andere Fragen auf, etwa:

  • Wie verändert sich unser Menschenbild, wenn unsere Vorstellungen davon, was der Mensch darf, sich fortwährend wandelt? Der Wahrnehmungswandel, so viele Skeptiker, vollzieht sich schleichend, aber stetig.
  • Was ist beim Gewebeersatz eigentlich künstlich, was natürlich? Was ist eigen, was ist fremd? Wann werden unsere Konzepte von Identität und Individualität außer Kraft gesetzt? Der Hirnforscher Manfred Linke fragte bereits vor Jahren: Wenn ein Parkinson-Kranker mit Ersatzgewebe behandelt wurde, wer lächelt mich dann an? Der Kranke oder sein Zellspender?
  • Wo hören die Grenzen zwischen Mensch und Tier auf, wo gehen sie in einander über? Eine Reihe von Experimenten scheinen die Grenze zum Verschwimmen zu bringen. Beispiel: Forscher der australischen Firma Stem Cell Sciences (SCS) steckten Kerne aus fötalen Menschenzellen in entkernte Eizellen von Schweinen. Tatsächlich wuchs zusammen, was scheinbar nicht zusammen passt: zu Chimären-Embryonen aus Schwein und Mensch. Zwei der Wesen ließen die Forscher bis zum 32-Zell-Stadium heranwachsen und warfen sie dann wieder fort.
Zukunftsmensch

Doch jenseits aller ethischen Bedenken, stellt sich die Frage: Wie realistisch ist es überhaupt, dass die Heilsversprechen der Klon-Experten jemals eingelöst werden? Denn oft erweisen sich die Schöpfungen aus dem Genlabor als klägliche Kopie ihres natürlichen Vorbildes: Muskeln wachsen nur bis zu einer bestimmten Größe, künstliche Haut "atmet" nicht, hat keine Drüsen oder Haare. Knorpel sind wenig belastbar und innere Organe viel zu komplex, um sie mit all ihren Zellen, Nerven und Gefäßen lebensecht "nachzubauen".

Die Vorstellung vom nachwachsenden Organ gilt selbst aus Sicht der meisten Optimisten und Befürworter als utopisch.

Neue Gesundheitsrisiken durch Klonen

Andere Wissenschaftler warnen vor neuen Krankheiten und Behinderungen. Genauso, wie die meisten geklonten Schafe und Mäuse missgebildet seien, würden aus embryonalen Stammzellen geklonte Menschenembryonen Schäden tragen.

Schließlich gibt es noch einen fachlichen Einwand gegen das therapeutische Klonen. Viele Forscher befürchten, dass das so erzeugte Gewebe vom Empfänger abgestoßen werden könnte. Denn beim Transfer einer Zelle in eine fremde, entkernte Eizelle kommen immer kleine Mengen fremden Erbmaterials zusammen. Damit wird ausgerechnet der vermeintliche Vorteil, dass nämlich die bei Transplantationen häufigen Abwehrreaktionen gegen das fremde Gewebe ausbleiben, mittlerweile bezweifelt.


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