Überlassen Sie Bioethik nicht Experten. Die Online-Bürgerdebatte von 2002 bis 2009.

Prof. Dr. Andreas Fröhlich

Prof. Dr. Andreas Fröhlich

Professor für Sonderpädagogik an der Universität Landau

Prof. Dr. Andreas Fröhlich ist Pate der folgenden Frage:
Wozu den perfekten Menschen schaffen? Es gibt uns doch schon!
(gestellt von H. v. am 09.04.2003)

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Prof. Dr. Andreas Fröhlich zu seiner Frage

Vielleicht brauchen wir bei all den gewichtigen und unsere Existenz berührenden Fragen auch eine gute Portion (selbst-) kritischer Ironie. Ich bin sicher, wir brauchen sie. Oder ist dieser Satz gar nicht ironisch gemeint? Ist der Mensch in seiner Vielfalt der Farben, Größen, Gewichte, seiner Fähigkeiten und Talente, seiner Schludrigkeiten und seiner Egoismen nicht doch der „perfekte" Mensch? Weil eben zum Menschsein all dies dazugehört, einschließlich Krankheit, Behinderungen, scheitern, trauern, sogar morden und stehlen? Gab es je einen anderen Menschen? Einzelne andere sicher: Religionsstifter, Heilige, Einsiedler, Yogis, Propheten – aber insgesamt? Alle Mythen der Völker erzählen von der Sehnsucht der Menschen nach einem Paradies, aber alle wissen von Elend, Selbstsucht, Schmerz und Tod. Dagegen setzen sie die Liebe. Die Liebe zu einem einzigen Menschen, zu einem ganzen Volk, zur Weisheit, zur Schönheit oder über alles hinaus zu einem göttlichen Wesen.

So sind wir Menschen eben. Mag uns eine Macht erschaffen haben, dann hat sie es so gewollt. Mögen wir das Ergebnis einer Jahrmillionen währenden Evolution sein, dann stehen wir jetzt eben, heute genau, am vorläufigen Ende der Evolution – so perfekt, wie die Evolution es bisher geschafft hat. Morgen wird sie weiter an ihrem Entwicklungsprojekt arbeiten – und wir wissen nicht, wohin es mit uns geht.

Priester aller Religionen, Pädagogen aller Zeiten wollten immer die besseren Menschen aus den vorhandenen machen, sie waren nie zufrieden. Immer neue Wissenschaften gesellen sich den beiden zu, wollen den Menschen verbessern. Einen Fehler machen sie alle, und darauf weist der ironische Satz auch hin: Wir sehen nur durch Menschenaugen diese Welt, nur mit unserem Menschenhirn verarbeiten wir unsere Eindrücke zu Gedanken und Ideen. „Perfekt", das ist recht phantasielos immer nur der Mensch, den wir schon kennen, der Mensch, den wir uns als Menschen zu unserem eigenen Bild machen. Das Abbild als Vorbild – nicht wirklich einfallsreich – menschlich eben.

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Wissenswertes zu Prof. Dr. Andreas Fröhlich

Prof. Dr. Andreas Fröhlich lehrt am Lehrstuhl für Geistigbehindertenpädagogik, Institut für Sonderpädagogik der Universität in Landau/Pfalz. Er wurde 1946 geboren und studierte Pädagogik, Philosophie, Sonderpädagogik und Heilpädagogische Psychologie und arbeitete viele Jahre mit schwer- und schwerstbehinderten Kindern und Jugendlichen im Rehabilitationszentrum Westpfalz in Landstuhl. Anschließend war er Hochschullehrer und Professor in Mainz und Heidelberg. Intensive Forschungsarbeit auf dem Gebiet schwerster Behinderung, Pflegebedürftigkeit und Bewusstlosigkeit. Entwicklung des Konzeptes „Basale Stimulation“. Veröffentlichung u.a.: Basale Stimulation – Das Konzept. Düsseldorf 1998.

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