Überlassen Sie Bioethik nicht Experten. Die Online-Bürgerdebatte von 2002 bis 2009.

Julia Klöckner

Julia Klöckner

Mitglied des Deutschen Bundestages

Julia Klöckner ist Patin der folgenden Frage:
Was ist die Rolle der Medien in der Ethikdiskussion?
(gestellt von C. S. am 18.03.2004)

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Julia Klöckner zu ihrer Frage

Welche Rolle spielen eigentlich die Medien in der Ethikdiskussion? Eine viel zu selten gestellte Frage – sind sie es doch, die Themen, Problemstellungen, Diskussionen und Informationen einer breiten Masse zugänglich machen können, die erklären, aber auch verwirren können, die subtil manipulieren und Position beziehen können – oder einfach etwas ignorieren. Die Medien sind heute nicht nur allgegenwärtig, sie haben mehr Macht und Einfluss denn je – auf unsere Gesellschaft, auf unser Denken, Entscheiden und Tun. Weil es bei den ethischen um grundsätzliche Fragen, um die Pfeiler unserer Gesellschaft geht, haben die Medien und ihre Journalisten einer großen Verantwortung gerecht zu werden. Stellen sie sich überhaupt der Ethikdiskussion? Sind Ethikthemen fürs Programm gewinnbringend, auch wenn sie keine großen Gassenhauer sind und Quote versprechen? Oder wird die Ethikdiskussion verkürzt, fahrlässig falsch dargestellt, nur damit der „Stoff“ doch etwas spannender, reißerischer und verkaufsgerecht wird? Der Journalist ist zur Wahrheit verpflichtet. Der Pressekodex spricht von Sorgfaltspflicht, Fairnessgebot, Achtung des Privatlebens, der Persönlichkeitsrechte sowie Achtung vor sittlichem und religiösem Empfinden. Der sich verschärfende Wettbewerb auf den Medienmärkten ist selbst ethisch nicht neutral. Er verändert die Rahmenbedingungen für die verantwortungsvollen Journalisten. Auch für Journalisten gibt es eine Verantwortungsethik. Bei der Berichterstattung über polizeiliche Fahndungen und Ermittlungen z.B. wird offensichtlich, dass die Medien die Folgen ihrer Berichterstattung zu berücksichtigen haben. Es gibt keinen öffentlich-rechtlichen oder kommerziellen Journalismus, es gibt nur guten oder schlechten. Alle, die meinen, Medien seien nichts als ein Geschäft, können sich die Ethikdebatte schenken. Die große Chance, aber auch die große Gefahr ist dabei: Medien haben Reflexions- und Steuerungswirkungen. Themen über den Lebensbeginn oder das Lebensende, über den Wert des Menschen und die Unantastbarkeit der Menschenwürde, über Behinderung, Heilung, Fortschritt und Ängste sind Themen, die von den Medien nicht außer Acht gelassen werden dürfen, weil sie eben Teil des Menschen und der Gesellschaft sind. Jedoch müssen gerade die ethisch relevanten Themen und Fragestellungen unabhängig vom Zeitgeist und medialer Inszenierung ihren Platz einnehmen können. Unabhängig vom Fernsehformat und unabhängig von der Sucht nach spektakulären Bildern und Schlagzeilen. Die Rolle der Medien in der Ethikdiskussion muss aufklärend, informierend und ausgewogen sein. Ohne Effekthascherei oder Verklärung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Ethikdiskussion, die „Aktion Mensch“ und alle anderen brauchen die Medien, um Inhalte, Sichtweisen und Sensibilität wie auch Verständnis transportieren und wecken zu können. Die Medien sind der Marktplatz unserer Überlegungen.

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Wissenswertes zu Julia Klöckner

Julia Klöckner, 31, hat Politikwissenschaft, Theologie und Pädagogik studiert und mit dem Staatsexamen und Magister abgeschlossen. Nach einem journalistischen Volontariat arbeitete Sie beim SWR und bei der Zeitschrift weinwelt, zudem ist sie Chefredakteurin der Zeitschrift Sommelier Magazin. Seit 2002 ist Julia Klöckner (CDU) Mitglied des Deutschen Bundestages. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind u.a. der Ausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft wie die Enquête-Kommission "Ethik- und Recht der modernen Medizin", in der sie die Themengruppe "Transplantationsmedizin" leitet. Ferner ist die Rheinland-Pfälzerin stellvertretende Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion.

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